Die Stadt, der Müll und keine Kehrwoche

Heute wollen wir mal ein leidiges Thema entsorgen: den letzten Dreck in dieser Stadt. Unten im schwäbischen Süden habe ich mich gern ein wenig lustig gemacht über die Ernsthaftigkeit, mit der sich meine Kleinstadt-Mitbürger der Müllfrage widmeten. Zwar lässt auch im Allgäuer Wald mal ein Jogger in anarchistischer Aufwallung ein Papiertaschentuch fallen. Aber grundsätzlich wird die korrekte Sortierung von Abfällen als selbstverständliche Bürgerpflicht akzeptiert. Manche Mitmenschen sieht man täglich vor der eigenen Tür kehren. Selbst die Mülltonnen bleiben sauber, sie sollen den Besitzer nicht blamieren. In unserem Städtle bleiben sie zudem halb leer, denn der Müll wird tatsächlich allwöchentlich nach Gewicht berechnet. Deshalb kompostiert man Biologisches im eigenen Garten und sammelt und sortiert ansonsten mit großem Ehrgeiz, was sich kostenlos weiterverwerten lässt: Papier und Glas, Textil- und Grünabfälle, Metall und Plastik. Auf einem straff geführten Verwertungshof, Ziel samstäglicher Sternfahrten, werden unter den Argusaugen vereinsgebundener Müllsortierungsexperten sogar dünnere und dickere Papiersorten sorgfältig voneinander getrennt. „He, Sie, des g’hört it do nei“, das gehört nicht da hinein, musste ich mir manches Mal sagen lassen und zog murrend ab. Ach, wie gerne würde ich nun ein paar dieser scharfsichtigen Respektspersonen zur Aufsicht der Rheinwiesen einsetzen! Hier bläst der Wind über die Wege, was der Großstädter hemmungslos fallen ließ: Zeitungen, Pommes-Teller, Bierdosen, die Reste von Silvesterraketen und allerlei, was man nicht analysieren möchte. In den Büschen hängen verwehte Plastiktüten wie Fahnen einer untergegangenen Zivilisation. Abfalleimer mit der Aufschrift: „Meine Stadt. Meine Ufer. Meine Verantwortung“ stehen, von Abfalleimerliebhabern mit unleserlicher Graffiti besprüht, als blanker Hohn neben Bänken mit Sitzflächen, die eine Desinfektion gebrauchen könnten. Manche Altstadtgassen sehen nach der Samstagnacht aus wie eine Müllhalde nach dem Hurrikan. Kein Straßenkehrer weit und breit. Eine Blamage für die schicke stolze Metropole, die keine Schulden hat. Ich schäme mich jetzt schon vor den Schwaben, die mich demnächst besuchen. Eine gigantische Kehrwoche für Düsseldorf, das wäre eine saubere Sache.

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