Über Paulo Coelho und „Die Schriften von Accra“

Von Birgit Kölgen

Eigentlich traut man sich ja nicht, etwas Fieses über die Bücher von Paulo Coelho zu schreiben. Denn die Fans des brasilianischen Schriftstellers sind Legion – und mögen Kritiker gar nicht. Aber wie schreibt der Mann so ermutigend: „Lasse nicht zu, dass die Bangigkeit des Herzens dein Leben kontrolliert.“ Wohlan denn. Coelho hat wieder irgendwo eine weiße Feder gefunden. Nur dann nämlich, raunt die Fama, fühlt er sich bemüßigt, ein neues Buch zu schreiben. Der Mann mit den zweifellos leuchtenden Augen steht nämlich mit dem Universum in einer besonderen Verbindung. Seit ihm „Der Alchimist“ den ersten Welterfolg bescherte, verbreitet er spirituell bewegte Geschichten voller Weisheiten der gern gelesenen Art.

Doch mit der Feder sinkt nicht unbedingt die Idee zu einer Story vom Himmel herab. Ging es im letzten Werk, „Aleph“, noch um Liebe, Zeitschleusen und eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, so fiel Coelho für „Die Schriften von Accra“ nur eine magere Rahmenhandlung ein. In der Nacht, bevor das alte Jerusalem anno 1099 den vernichtenden Großangriff der Kreuzritter erwartet, versammeln sich Juden, Christen und Muslime um einen Reingeschmeckten, den sie den Kopten nennen, und stellen ihm – warum nur? – allerlei Fragen zu Wohl und Wehe des Lebens.

Da geht es um Niederlagen und Veränderungen, Sex und Liebe, Angst und Wunder, Anmut und Schönheit und sogar um Erfolg. Denn der sensible Denker spürt offenbar schon im Voraus die Nöte des gestressten Leistungsmenschen, der im 21. Jahrhundert zur Entspannung Coelho-Bücher liest. „Ich handelte und siehe, die Pflicht war Freude“, zitiert der Kopte sogar einen Spruch aus den Poesiealben der Neuzeit. Und noch Tieferes lernen wir: „Wenn wir fröhlich und glücklich sind, sind wir auf dem richtigen Weg.“ Wären wir nicht drauf gekommen. Ehe wir uns jetzt weiter von den „Dämonen der Unduldsamkeit“ hinreißen lassen, verabschieden wir uns lieber mit dem letzten Satz dieses Büchleins: „Gehet hin in Frieden.“ Kann nicht schaden.

Paulo Coelho: Die Schriften von Accra. Roman. Diogenes Verlag. 184 Seiten, 17,90 Euro.

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