Leider Malaria

Von Birgit Kölgen

Sie ist so nett, unsere neue Technik. Sie lässt den Menschen nicht länger allein mit seinem Unvermögen. Ein fehlerfreier Text, einst gekoppelt an eigene Kenntnisse der Rechtschreibung, wird von superschlauen Programmen automatisch hergestellt. Leider sind die Programme voreilig wie ein übereifriger Praktikant und produzieren täglich Millionen von Missverständnissen in der weiten Welt der digitalen Kommunikation.

„Einige Infos sind ja auch verfechtbar“, schrieb mir zum Beispiel ein Kollege und meinte „verzichtbar“. Da hätte ihn, schickte er hastig hinterher, das Textkorrektursystem seines Laptops genarrt. Ja, es sind schon Schelme, diese Systeme, und deshalb haben sie dafür gesorgt, dass Topmodel Naomi Campbell ihre Twitter-Glückwunsche für Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai an die liebe Malaria versendete. Internationaler Spott war Naomi gewiss. Und ich bin nur froh, dass ich rechtzeitig bemerkt habe, dass die Autokorrektur meines iPads eine wichtige Verabredung zum Leberkäs unverständlich fand und Leberkrebs daraus gemacht hatte.

Ja, lustig ist es halt nicht immer, wenn die Technik uns beisteht und Herzelein in Herzeleid verwandelt. Für die Formulierung eines Artikels über Edvard Munch brauchte ich etwas länger, weil das verflixte Schreibprogramm meines Tablets den norwegischen Maler nicht kannte und Munch immer wieder durch München ersetzte. Aus Verzweiflung hieb ich so heftig auf die Neutralisierungstaste, dass Siri ansprang, die Spracherkennungs-Software mit ihren originellen Lifestyle-Ideen.

„Wie kann ich behilflich sein?“ fragt sie ihren Menschen und gibt gleich ein paar Beispiele (falls uns Sterblichen nichts einfällt): „Wie steht der Dax? Wann sind wir da? Google nach, wie baue ich ein Schaukelpferd? Wie lange leben Hunde? Wann geht in Paris die Sonne auf?“ Sonderbare Fragen. „Ich bin verwirrt“, sage ich so vor mich hin. Das hat sie verstanden und flötet mit der Stimme einer lieblichen Fee: „Ich weiß nicht, was das bedeutet. Aber ich kann im Web nach ich bin verwirrt suchen.“ Äh, nein danke. Manchmal kann man sie nur abschalten, unsere nette neue Technik.

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Glosse

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Portrait

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